Wer sind die Aleviten?





Die Aleviten unterstützten den Laizismus und die Demokratie. Die alevitischen Bevölkerungsgruppe war eine der tragenden Kräfte bei der Gründung der türkischen Republik, weil sie sich insbesondere durch die Abschaffung der sunnitischen Rechtsordnung und die Einführung des Laizismus mit der Trennung von staatlichen und religiösen Angelegenheiten eine Gleichberechtigung mit der sunnitischen Glaubensrichtung erhoffte. Auch heute noch betrachten die Aleviten die laizistische Staatsform als Grundlagen ihrer Existenz. Aleviten in der Türkei sind nicht zu verwechseln mit den Schiiten im Iran. Wegen des gemeinsamen Ursprungs der Spaltung des Islam nach Mohammeds Tod, werden die Aleviten formal den Schiiten zugerechnet und aus diesem Grund fälschlicherweise oft mit ihnen gleichgesetzt. Völlig verschiedene geschichtliche und religiöse Bedingungen in der Türkei und im Iran bewirkten, dass sich diese Gruppen sehr unterschiedlich entwickelten. So gibt es heute bedeutsame Unterschiede im Verhältnis zu Gewalt und der Stellung der Frau: Die Aleviten lehnen Gewalt grundsätzlich ab, in ihren Gemeinden sind die Frauen den Männern gleichgestellt. Im schulischen Religions- und Ethikunterricht werden die alevitischen Lehren nicht vermittelt. Seitdem in der Türkei der Religions- und Ethikunterricht in den Schulen infolge der neuen Verfassung von 1982 zum Pflichtfach geworden ist, sind die Kinder aus alevitischen Familien verpflichtet , an einem Religionsunterricht teilzunehmen, in dem nicht ihre eigene, sondern die sunnitische Glaubensrichtung gelehrt wird. Auch in den Schulen werden die Vorurteile über Aleviten verbreitet. Durch eine solche Unterrichtung, die der Familiären religiösen Erziehung zuwiderläuft, werden bei den jungen Menschen Gewissens- und Familienkonflikt hervorgerufen. Darüber hinaus wird das freundschaftliche Miteinander der Schüler aus alevitischen und sunnitischen Familien zerstört und damit immer wieder die Zwiespalt zwischen Religionsgemeinschaften gefördert. Das Amt für. religiöse Angelegenheiten in der Türkei bestimmt die finanzielle Förderung der moslemischen Gemeinden und gestaltet den Religionsunterricht an den Schulen mit. Das diesem Amt zur Verfügung stehende Budget wird ausschließlich zur sunnitischen Lehre und zum Bau von sunnitischen Moscheen verwendet. Dabei beansprucht dieses Amt, den gesamten Islam zu vertreten. Seit Anfang der achtziger Jahre entsendet das Amt für religiöse Angelegenheiten sunnitische Geistliche zum Zwecke der Missionierung auch in alevitischen Dörfer, baut dort verstärkt sunnitische Moscheen und setzt damit die dortige Aleviten und ihre Geistlichen unter erheblichen Druck. Die Menschenwürde wird die Grausamkeit besiegen!